Auswirkungen des Klimawandels im Bayerischen Wald
Die schlimmsten Käferjahre aller Zeiten
von Dr. Stefan Schaffner

Käferfronten beginnen zusammenzulaufen, der Käfer entfichtet ganze Hänge.

Käferfronten beginnen zusammenzulaufen, der Käfer entfichtet ganze Hänge.

Auswirkungen des Klimawandels treffen das Waldkleid des Bayerischen Wald verheerend. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Dem Wald geht es in ganz Mitteleuropa nicht mehr gut, alle Baumarten haben teils massive Probleme. Seit 2015 haben immer wieder in längeren Phasen auftretende Hitze- und Dürreperioden die Vitalität aller älteren Bäume massiv beeinträchtigt. „Dafür, dass die Bäume den ganzen Tag bei weit über 30 °C der Sonne ausgesetzt sind und nichts mehr zu trinken haben und das wochenlang, da halten die Bäume eh viel aus“, zitiert Bereichsleiter Stefan Schaffner einen Waldbesitzer aus der Region. Diese klimawandelbedingten Extreme sind aber seit 2015 zu oft und zu lange immer wieder passiert. Alle älteren Bäume sind am Ende ihrer Widerstandkraft. Schädlinge haben allerorten ein leichtes Spiel, im Bayerischen Wald kann der Borkenkäfer in den Fichten wüten wie nie zuvor.

Aktuelle Lage in den Wäldern des Bayerischen Waldes

Was aktuell in den Wäldern des Bayerischen Waldes passiert...
Das Waldkleid im Bayerischen Wald, die beiden Landkreise Regen und Freyung-Grafenau sind mit über 65% bewaldet, hat ein Alter von zumeist weit über 80 Jahre. Zu Recht ist der Bayerwald daher stolz auf „stattliche, grüne Hochwälder“, wie sie Adalbert Stifter bereits vor 150 Jahren für die Hochlagenwälder beschrieb, in denen es gerade im Sommer angenehm schattig und kühl sein kann. „Die meisten Altbäume haben aber vor mehr als 70 Jahren angefangen zu wachsen, teils sie sie aber noch deutlich älter“, so Schaffner. Sie sind an ein Klima gewohnt, an das sich die älteren Bewohner des Bayerwaldes noch erinnern können. Kühl feuchte Sommer, in denen es bis in den Juni hinein und bereits wieder ab Mitte/Ende August am Abend empfindlich kalt werden konnte.

Dürrephasen und extreme Witterungsereignisse werden häufiger

Diese Bäume mussten bis auf wenige Ausnahmejahre, keine Dürrephasen überstehen und zwischen extremen Witterungsereignissen wie Stürmen oder Dürren lagen lange Jahre, in denen die Bäume ihr Wurzelwerk und ihr Laub- oder Nadelkleid regenerieren konnten. Allenfalls Schneebrüche waren ein häufiger wiederkehrendes Ereignis. „Jetzt ist dies komplett anders“. Seit 2015 gab es kein Jahr ohne längere Dürrephase mit hohen Temperaturen, fast jedes Monat liegt eher 2 Grad und mehr über dem langjährigen Durchschnitt und die Zahl der heißen Tage (> 30 Grad), der Sommertage (>25 Grad) und der tropischen Nächte (> 20 Grad in der Nacht) steigt kontinuierlich. Auch die jährlichen Sonnenscheinstunden summieren sich im Bayerns Südosten, der Bayerische Wald konkurriert in Punkto Sonnenschein zunehmend erfolgreich mit der Oberrheinebene und dem Kaiserstuhl.
„An das angenehme Gesicht des Klimawandels haben wir uns sehr schnell gewöhnt“, so Schaffner. Lange warme Sommerabende, viel Sonnenschein, geringe Regenwahrscheinlichkeiten bieten beste Rahmenbedingungen für eine angenehme Freizeitgestaltung. „Wer von unseren Großeltern hätte geglaubt, dass man im April oder im Oktober abends immer noch auf der Terrasse im Freien sitzen kann und das im T-Shirt. „Nun zeigt uns der Klimawandel aber sein hässliches und bedrohliches Gesicht“. Betroffen sind vor allem die alten Bäume in unseren Wäldern, die immer mehr an Kraft und Widerstandskraft verlieren. Und auch die Wasserversorgung gerät mancherorts immer mehr an ihre Grenzen. Mehr Hitze, mehr Trockenheit, das schadet den Bäumen, sie leiden. Insekten und Pilze profitieren, ihnen tut Wärme und Trockenheit gut. Übrigens auch den Mäusen, auch diese gedeihen die letzten Jahre prächtig.

Veränderte Verhältnisse begünstigen Borkenkäfer

Borkenkäfer im LarvenstadiumZoombild vorhanden

Brutbild des Buchdruckers.

Fertig ist die Käferkatastrophenformel: Wärme und Brutmaterial in unbegrenzter Menge. Wasserversorgte Bäume töten durch den Harzfluss eine Unmenge an brutwilligen Borkenkäfern ab, bis es irgendwann zu viel wird. Regelmäßig sind in früheren Jahren Käfermassenvermehrungen nach Stürmen oder nach Trockenheit wieder verschwunden, da die Natur in der Abwehr kräftig mitgeholfen hatte. Kühl-feuchte Witterung in den Sommermonaten schadet Insekten, die Bäume wehren sich tatkräftig. Und die Waldbesitzer hatten alle Chancen, durch saubere Forstwirtschaft, das heißt die rechtzeitige Entnahme der befallenen und schwachen Bäume, den Käfer einzudämmen.
Der Borkenkäfer wird im „neuen Klima“ zum Turbo-Käfer und der fordert die saubere Forstwirtschaft und die ganze Holzwirtschaft erfolgreich heraus. Es war einmal, dass der Borkenkäfer ein bis zwei Generationen im Jahr fertigbrachte. Seit 2015 waren es immer drei Generationen und auch 2019 werden es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – trotz der kühlen Maiwitterung – drei Generationen. In 3 bis 4 Wochen wird die fertige zweite Generation dann eine dritte Generation anlegen. Die einer Massenvermehrung in drei Generationen samt Geschwisterbruten zugrundeliegende Arithmetik ist brutal für die Waldbesitzer und die Landschaft: Aus einem Baum (erste) werden 20 (zweite) werden 400 (Anlage dritte Generation). 400 Fichtenbäume sind ein ganzer Hektar Wald, mehr Fichten haben darauf nicht Platz. Geschwisterbrut heißt, dass in den letzten Jahren jedes Käferweibchen nach der ersten Eiablage sich durch Fraß regeneriert, erneut eine Fichte befällt und wiederum Eier ablegt – bis zu dreimal, bis der Eivorrat im Weibchen zu Ende ist. Auch das wurde früher kaum beobachtet. Die Fichten sind so schwach, dass die Käfer beim Befall, das heißt bei der Anlage der Brutgänge kaum Kraft verlieren. Ab Mitte Mai herrscht in den Fichtenwäldern permanent hoher Befallsdruck, die Waldbesitzer müssten wöchentlich mind. einmal kontrollieren. Und durch die Wärme entwickelt sich die Brut rasant. Das Zeitfenster zur wirksamen sauberen Forstwirtschaft bemisst sich nur mehr auf 4 bis 6 Wochen. In dieser Zeit muss ein befallener Baum gefunden, aufgearbeitet, aus dem Wald gerückt und abgefahren oder gespritzt oder entrindet werden.

Bedeutung für die Fichte

Fichtenvorräte, einst Stolz und Garant von Erträgen, sind derzeit Risiko und entwickeln sich für die Waldbesitzer bei den derzeit herrschenden Holzpreisen zum ökonomischen Desaster. Seit Herbst 2017 sind durch Dürren, Stürme und Insektenkalamitäten in Mittel- und Osteuropa bis jetzt zwischen 150 und 180 Millionen fm Schadholz entstanden. Zu viel selbst für die hochtechnisierte Holzindustrie, die so viel Holz schneidet und verarbeitet, wie noch nie in der Geschichte Europas. „Gerade die Fichtenvorräte liquidieren sich so schnell und anhaltend, dass sie vom Markt zunehmend nicht mehr wertschöpfend aufgenommen werden können“, so Schaffner.
Ein Grund die flachwurzelnde, oft nicht standortgemäße Fichte als Grundübel zu verteufeln. Für Schaffner und seine Kollegen ist dies zu einfach und viel zu kurz gesprungen. Nach den zwei Weltkriegen und den harten Nachkriegsjahren waren die deutschen Wälder ausgeplündert und vorratsleer. Allerorten hatten es unsere Vorfahren mit großen Kahlflächen zu tun. Die Wiederaufforstung mit nutzbaren und ertragsfähigen Waldbeständen war aus Sicht von Schaffner eine große, damals gesamtgesellschaftliche Kraftanstrengung. Sinnbild für den damaligen Kraftakt war die Rückseite des 50 Pfennig-Stückes. Gezeigt wird eine Kulturfrau, die eine Eiche pflanzt. Fichten wachsen schnell, ihr Pflanzgut ist im Vergleich zu vielen Baumarten in großen Mengen zu gewinnen und die Fichte ist hart im Nehmen, das heißt sie kommt mit dem Frost und durchaus auch mit Sommerhitze, wie sie auf Kahl- und Freiflächen herrscht besser zurecht als andere Baumarten. „Natürlich war die Fichte damit wie die Kiefer auf vielen kahlgeschlagenen Flächen damit die Wahl. Die alten Lösungen und die Leistungen der Vorgänger jetzt als Monokulturen zu verdammen, tut weh. Das Ergebnis der Wiederbewaldung und des Waldaufbaus nach den Nachkriegsjahren wurde durch die dritte Bundeswaldinventur vor knapp 10 Jahren zu Recht als stolzer Erfolg für die deutsche Forstwirtschaft gefeiert: Die deutschen Wälder waren vorratsreich wie noch nie, Bayern war mit über 400 Vorratsfestmetern pro Hektar Wald sogar Vorratsweltmeister. Optimale Voraussetzungen auch für den neuen Trend „Waldbaden“.

Heiße Dürrephasen bald Normalität

Scheinbar hat der Klimawandel nunmehr aber in Punkto Dürreperioden, Hitzetage und Niederschlagsdefizite während der Vegetationsperiode Schwellenwerte überschritten, die unsere alten Waldbäume nicht mehr verkraften können. Rückblickend könnte das Jahr 2015 als Wendemarke identifiziert werden, wenn diese heißen Dürrephasen jetzt regelmäßig und damit normal werden. Den Bayerischen Wald träfe dies besonders hart, denn aufgrund seiner Geologie mit Gneis und Granit haben unsere Böden eigentlich kaum eine Wasserspeicherkapazität. „Unsere Böden ähneln einer Permakultur. Wenn man oben kein Wasser nachfüllt, ist unten kein Wasser da“, so Schaffner. Lange Trockenphasen sind damit für die Waldbäume im Bayerischen Wald verheerender als im Donauraum mit anderen Bodenwasserspeichern. Im böhmischen Raum ist es noch schlimmer, bei den gleichen Bodenverhältnissen fiel hier in den letzten Jahren noch weniger Regen als im Bayerischen Wald.

Jahr 2019: Schlimmstes Käferjahr aller Zeiten?

Freifläche inmitten eines Nadelwaldes

Waldbilder verändern sich.

2019 passierte also was passieren musste. Mit Ausnahme der Maiwitterung waren bislang alle Monate seit April deutlich zu warm und zu niederschlagsarm. Der Traumwinter brachte zwar eine üppige Schneelage (und damit auch Schneebruch) und damit nach der Schneeschmelze viel Wasser, dieses war aber dank unserer Böden ab Ende April auf den meisten Standorten nicht mehr für den Wald verfügbar. Für die Waldbesitzer, Förster und Forstunternehmer bedeutete dies, dass im Wald die Arbeit seitdem kein Ende mehr fand. Die Aufarbeitung von Schneebruch, Windwurf und spätzeichnendem alter Käferbefall ging überall fließend in die Käferaufarbeitung über. Allein an Schadholz aus Schneebruch und Windwurf aus den Monaten Januar bis März schätzt Schaffner die Menge auf ca. 3 bis 3,5 fm pro Hektar Privat- und Körperschaftswald, dies summiert sich auf den 70.000 ha Privatwald auf 210.000 bis 250.000 fm Holz bis Ende März.
Seitdem haben die zwei Käferbefallswellen erneut mindestens 200.000 fm und damit an die 3 fm pro Hektar Schadholz verursacht und ein Ende ist nicht in Sicht, da noch nicht alle Käferbäume aus der zweiten Welle gefunden wurden, Geschwisterbruten laufen und die Anlage einer dritten Generation unvermeidlich ist. 78 % dieser Käferschadmengen konzentrieren sich derzeit auf die Reviere Schönberg, Perlesreut, Waldkirchen und Teile Neureichenaus, aber in allen Lagen der beiden Landkreise Freyung-Grafenau und Regen steigen aufgrund der laufenden Anlage der zweiten Generation die Schadholzmengen stark an. Für Schaffner steht damit fest. Das Jahr 2019 wird das schlimmste Käferjahr aller Zeiten im Bayerischen Wald werden und das Jahr 2018 mit über 220.000 fm Käferholzanfall bei weitem übertreffen.
Käferbestände an einem HangZoombild vorhanden

An diesem Hang hat keine Fichte überlebt.

2019 wird der Bayerische Wald in vielen Lagen vorratsärmer werden, der Schadholzanfall beträgt derzeit über 6 fm pro Hektar und bis Jahresende werden wir deutlich über dem Zuwachs liegen, der ohnehin durch die Dürrejahre geringer als früher üblich ausfallen wird. Und wenn Wälder durch Schadereignisse vorratsärmer werden, sieht man das auch am Landschaftsbild. Das Waldkleid der Region verändert sich merklich.

Folgen für Waldbesitzer und Forstwirtschaft in der Region

Borkenkäferbekämpfung heißt saubere Forstwirtschaft und dazu müssen die Bäume gefunden, aufgearbeitet, gerückt und waldschutzwirksam behandelt werden. Dazu braucht es Menschen und Maschinen. 2019 haben sich aufgrund des ungünstigen Witterungsverlaufs mit strukturell hohen Niederschlagsdefiziten und hohem Wärmezufuhren überall massive Engpässen mit fortschreitenden Abnutzungserscheinungen bei Mensch und Material in folgenden Bereichen entwickelt. Alle Forstunternehmer und die Waldbesitzer sind mit ihren Maschinen im Dauereinsatz und kommen ebenso wie die Mitarbeiter der Waldbesitzervereinigungen nicht mehr zur Ruhe. Derzeit sind auch alle forstlichen Kräfte des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen in der aktiven Begleitung der Waldbesitzer bei Käferbefall und Aktivierung der Waldnachbarn zur gegenseitigen Unterstützung bei sauberer Forstwirtschaft eingebunden, nur mehr der laufende Wegebau wird aufrechterhalten, so Schaffner.

Auswirkungen auf die Holzpreise

Käferholz an der Rückegasse

Aufgearbeitets Schadholz entlang einer Rückegasse.

Aber auch die Holzpreise haben sich aufgrund des Überangebots verheerend entwickelt. Bei Käferhieben in der Fichte bewegen sich auf den Markt erzielbare Preise für Stammholz zum Teil kaum mehr über 30 € pro fm, teilweise darunter. Da Papierholz und schwaches Stammholz bereits weitgehend unverkäuflich ist, erreichen die sogenannten Waldrestholzmengen, die als Energieholz weitgehend ebenfalls nicht absetzbar sind, ein Hiebsvolumina von 40 % oder mehr, das heißt einem hohen Prozentsatz der Hiebsmasse, die aber einen Aufarbeitungsaufwand verursacht, stehen keine Erlöse mehr entgegen. Waldschutz in der Fichte wird defizitär. Diese Situation ist neu und überfordert zunehmend die Waldbesitzer, befürchtet Schaffner.

Unfallfreie Waldarbeit hat höchste Priorität

Die Borkenkäferentwicklung läuft nunmehr im fünften Jahr und alle Parameter haben sich für die Waldbesitzer ungünstig entwickelt. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Für Schaffner und seine Försterkollegen stellt der Arbeitsschutz bei der Beratung damit die höchste Priorität dar. Das Wichtigste ist, dass es trotz dieser Situation zu keinen schweren oder gar tödlichen Unfällen in der Waldarbeit kommt. Aufpassen und Arbeiten, die man sich nicht zutraut, den Profis überlassen ist hier entscheidend.

Förderung der insektizidfreien Käferbekämpfung - Chancen und Grenzen

Holzganter

Käferholz, gelagert entlang einer Forststraße.

Bei den prekären Erlösen für die Käferaufarbeitung kommt der staatlichen Förderung der insektizidfreien Käferbekämpfung ein zunehmend hohes Gewicht zu, die aber im fichtenwaldreichen Bayerischen Wald an ihre Grenzen stößt. Für das Häckseln von Waldrestholz, das Zwischenlagern auf waldschutzwirksamen Lagerplätzen und das Entrinden von Holz gibt es eine Förderung von bis zu 12 € pro fm. Waldschutzwirksame Lagerplätze, die außerhalb des Waldes in ausreichendem Abstand zu den nächsten Fichtenbeständen stehen, sind aber bei uns rar. Stammholz zu entrinden war in früheren Zeiten notwendig, um es verkaufen zu können. Mittlerweile verursacht entrindetes Stammholz bei den Sägewerken aber Qualitätsprobleme, da es schneller zu Trockenrissen kommt, die die Qualität der Sägeprodukte beeinträchtigen. Schaffner ruft daher alle Grundeigentümer im Raum auf, sich solidarisch zu zeigen und sich gegenseitig Holz auf geeigneten Lagerplätzen außerhalb des Waldes lagern zu lassen. Waldbesitzer und Amt machen hier alles, was möglich ist, um die Förderung der insektizidfreie Bekämpfung anzuwenden.

Empfehlungen für betroffene Waldbesitzer

Die Lage ist schlimm und trotzdem sollten die Waldbesitzer nicht aufgeben, die Schäden werden sonst noch schlimmer. Folgende Beratungsimpulse kann das AELF Regen an vom Borkenkäfer betroffene Waldbesitzer geben: Es sollten die eigenen Waldbestände auf Befall beständig kontrolliert werden und als Waldnachbarn sollte man sich gegenseitig unterstützen. Bei vorhandener Technik und Rückewagen bzw. bei Unternehmereinsatz und geeigneten Lagerflächen sollte das auf waldschutzwirksamen Lagerplätzen außerhalb des Waldes gefahren werden. Klein- und Kleinstmengen bei Bedarf und Möglichkeiten ins Brennholzlager am Hof/ Haus fahren. Im Wald verbleibende Mengen sollten mit zugelassenen Insektiziden gespritzt werden. Hackhaufen sollten schnell gehäckselt werden.

Prognose für Fichtenbestände und junge Forstkulturen

In allen Waldarealen, in denen aufgrund der Flur-Gemengelage oder Erschließung eine saubere Forstwirtschaft in der Fichte nur „gemeinsam“ funktioniert (wenn alle was tun oder tun lassen) oder in denen aufgrund der Flur-Gemengelage und Erschließung eine saubere Forstwirtschaft unter Einsatz aller Kräfte nur sehr aufwändig und sehr kostenintensiv funktioniert, werden Fichtenvorräte in den nächsten Jahren schwinden. Die Fichte ist keine bequeme, extensive, zuverlässige Baumart mehr, sondern Waldschutz in der Fichte wird in vergleichbaren Witterungsszenarien Zeit und Geld kosten. Ob es im Jahr 2020 so weitergeht? Das wird die Witterung zeigen. Erneute Dürrephasen und Hitzewellen und zu wenig Regen werden zu einer Wiederholung von 2019 führen, so die Prognose der Förster.
Die Dürrephasen machen aber auch den jungen Forstkulturen zu schaffen. Wird gepflanzt, so vertrocknen bei anhaltenden Dürrephasen viele junge Pflanzen. Wald und eine auf nachhaltige Pflege ausgerichtete Arbeit im Wald ist damit für viele Waldbesitzer in der letzten Jahren gleichbedeutend mit Misserfolgserlebnissen. „Wald macht keine Freude mehr“, hören Schaffner und seine Kollegen immer mehr. Und dabei bräuchte der Wald der Zukunft eine hohe Waldgesinnung bei den Waldbesitzern und auch gesamtgesellschaftlichen Rückhalt. Denn es wartet viel Arbeit auf Waldbesitzer, Förster und Jäger. Und die Waldbesitzer, Jäger und Förster brauchen Lust auf neue Wege, denn mit dem neuen, einem bislang fremden Klima wird althergebrachtes auch nicht mehr funktionieren. In der Zukunft brauchen wir dringend wieder Erfolgserlebnisse mit dem Wald, und wenn es auch nur kleine Schritte werden, so Schaffner.

Notwendige Schritte in die Zukunft

Für die Wälder der Zukunft im Bayerischen Wald wird es entscheidend, welche Klimaausprägung der Wandel bringt. Ein gemäßigtes Klima mit kühl feuchter Ausprägung wird im bayerischen Wald der Vergangenheit angehören, aber ob das neue Klima eher eine kontinentale Klimaprägung mit trocken-heißen Sommern und durchaus kalten Wintern, die niederschlags- bis schneereich sein können, annimmt oder eine wärmere Witterung mit grundsätzlich gemäßigten Einschlag mit ausreichenden und regelmäßigen Sommerniederschlägen, wird die Zukunft zeigen.

Arbeitsschwerpunkte nach der Schadholzaufarbeitung

Aufgrund der besondere Geologie im Bayerischen Wald mit wenig Wasserbevorratungspotenzial der Böden wird dies aber Konsequenzen für die Baumartenwahl und die Wiederbewaldungsstrategien auf größeren Kahlflächen haben und es wird auch Konsequenzen für die Wuchsleistungen und die künftigen Ertragspotenziale haben. Im Zuge des Käferbefallsgeschehens will der Bereich Forsten des AELF Regen zusammen mit den Waldbesitzern und den Waldbesitzervereinigungen folgende Arbeitsschwerpunkte zeitnah im Anschluss an die „heiße“ Waldschutzphase anpacken.
Es wird sich ein erhöhter Wiederaufforstungsbedarf auf zum Teil waldbaulich anspruchsvollen Schadflächen ergeben. Sinnvoll ist es, in Zukunft nur so viel wie nötig zu pflanzen und so viel wie möglich mit Naturverjüngung zu arbeiten. Hierzu kann man sich auf den Flächen zusammen mit einem Förster einen Überblick verschaffen und weiter entscheiden. Wie kann man das vorhandenen Naturverjüngungspotenzials auf den Flächen durch aktive Pflege oder aktive Anreicherungen mit Mischbaumarten stärken. Denn sowohl die Pflanzung aber auch zukunftsfähig gemischte Naturverjüngungen können mit staatlichen Mitteln förderfähig sein und die finanzielle Unterstützung ist dringend notwendig.

Richtige Baumartenwahl ist entscheidend

An Baumarten stehen viele einheimische Arten zur Verfügung, die auch die Masse der zukünftigen Wälder bilden sollten. Es sollten aber auch in kleinen Stückzahlen nichtheimische Baumarten eingebracht werden, denen man unsere Standorte und die extremeren Witterungsphasen zutrauen kann. Wenn wir zukunftsfähige Wälder haben wollen, die mit dem neuen Klima zurechtkommen, müssen wir mit der Natur wirtschaften, so Schaffner. Und dazu braucht es Bestände mit mehr als vier Baumarten, die gemischt und strukturiert sind und die einen Unter- und Zwischenstand und eine zahlreiche Vorausverjüngung aufweisen. Hierzu braucht es aber eine Grund- und Feinerschließung mit Forstwegen und Rückewegen, denn mit der Natur wirtschaften heißt auf ganzer Fläche immer wiederkehrend eher sehr kleinflächig Holz zu entnehmen.

Die Jagd wird wichtiger denn je

KahlflächeZoombild vorhanden

Die Jagd wird wichtiger den je!

Und noch nie waren engagierte Jäger so wichtig, wie zu Zeiten des Waldumbaus oder der Walderneuerung im Klimawandel. Unsere Waldbesitzer können die Aufgabe der Wiederbewaldung bzw. planmäßige Verjüngung der Waldbestände nur schultern, wenn die Naturverjüngung läuft und auch mit staatlicher Förderung noch geld- und zeitintensive Anpflanzungen von klimastabilen künftigen Mischbaumarten im Wesentlichen ohne Zaunschutz gegen Verbiss durch Reh- und Rotwild gelingen können. Die Jäger müssen den Waldbesitzern bei Ihrer Wald-Erneuerungsaufgabe in der nächsten Zeit beistehen. Die Jäger werden hierzu viel Zeit einbringen müssen und dies verdient Respekt, wenn es gelingt.