Altes Käferholz in den Waldbeständen – Unruheherde unter den Wald-Nachbarschaften

Mit der anhaltenden Trockenheit, die dritte ausgeprägte und lange Frühjahrstrockenheit in Folge seit 2018, verschärft sich die Borkenkäfergefahr in den Wäldern. „Alle Weichen sind derzeit auf ein katastrophales Jahr gestellt“, so der Bereichsleiter Forsten Stefan Schaffner vom AELF Regen.

Alle Rahmenbedingungen, mit denen Waldbesitzer zu Recht kommen müssen, um mit einer sauberen Forstwirtschaft den Käfer in Schach zu halten, haben ins Negative gedreht. Es ist viel zu trocken und dank eines heißen Ostern hatte der Käfer erneut einen frühen Start ins Jahr und auf die von Schadholz aus 2018 und 2019 übersättigten Rundholzmärkten kommen noch die Corona-Pandemie bedingten wirtschaftlichen Schleifspuren hinzu. Wichtige Absatzmärkte brechen für die Sägewerke weg, benötigte Arbeitskräfte bleiben wegen geschlossener Grenzen weg. Das Rundholz fließt kaum mehr ab und droht für lange Zeit im Wald liegen zu bleiben.
Absterbende FichteZoombild vorhanden

Diese Fichte wurde zu spät erkannt.

Schlechte Rundholzqualitäten mit Trocknungsrissen, Bock- und Holzwespenbefallslöchern, wie es bei bereits im Sommer und Herbst 2019 befallenen Käferbäumen zu beobachten ist, stürzen im Preis regelrecht ab. Die Aufarbeitung, um derartiges Stammholz zu verkaufen, lohnt wirtschaftlich nicht mehr. „Derzeit sind diese Qualitäten im Brennholz am besten aufgehoben – oder als Totholz im Wald, wenn von ihnen keine Käfergefahr mehr ausgeht“, Bereichsleiter Schaffner mahnt aber zur Vorsicht und Umsicht, gilt es doch, jeden Befall so früh wie möglich zu erkennen und fachgerecht die befallenen Bäume mitsamt der Käferbrut und den Altkäfern aus dem Wald zu schaffen.

Intensiv die Fichtenbestände auf Bohrmehl kontrollieren

Die Förster bitten daher alle Waldbesitzer, ihre Bestände zu kontrollieren und sich als Nachbarn auf Käferbefall gegenseitig aufmerksam zu machen und sich gegenseitig beim Kampf gegen den Käfer zu unterstützen.
Und trotzdem kam es in den letzten Jahren auch immer wieder zu größeren Käferlöchern, sei es in noch zu wenig erschlossenen Waldgebieten, die schwer kontrolliert werden können, sei es aufgrund zu später Reaktion oder weil in den Schwärmhochphasen einfach die verfügbaren Kräfte im Holzeinschlag und Holzrückung nicht mehr schnell genug hinterherkamen.
Hier finden sich oft Käferbäume mit keiner oder fast keiner Rinde mehr, aus denen alle Käfer ausgeflogen sind. Aus Waldschutzgründen wäre es nicht mehr notwendig, diese zu entfernen. Werden sie als Brennholz gebraucht, sollten diese bei motormanueller Fällung als letzte im Hieb gefällt werden. „Sie können aber auch im Waldbestand als Totholz stehen gelassen werden, wenn sie später ohne Gefährdung für andere zusammenbrechen können“. An öffentlichen Straßen, in der Nähe zu Gebäuden oder auch zu Wanderwegen und Forstwegen sollten sie aber umgeschnitten und liegend belassen werden“. Auch aus Arbeitssicherheitsgründen sollte hinterfragt werden, ob alte Käferbäume motormanuell gefällt werden müssen. Eine seilwindenunterstütze Fällungstechnik ist hier oft unumgänglich, um derartige Bäume sicher zu Fall zu bringen.
Genau hinsehen, im Zweifel Förster hinzuziehen und bei Bedarf sichtbar mit einem „B“ wie Biotopbaum markieren
Die Förster empfehlen aber, genau hinzusehen, ob ein Käferbaum wirklich alt ist und seine Aufarbeitung aus Waldschutzgründen sinnlos ist. Käferbäume aus der zweiten oder dritten Schwärmwelle, die im Sommer bis Herbst befallen werden und an denen Rinde im unteren Stammdrittel noch fest am Stamm haftet, bieten den Käfern noch bis ins nächste Frühjahr einen wertvollen Überwinterungsplatz, obwohl die roten Nadeln bereits weitgehend abgefallen sind.
Wer Zweifel hat, ob ein Käferbaum stehen gelassen werden kann, sollte einen Förster zu Rate ziehen. Sinnvoll kann es auch sein, diese Bäume sichtbar mit z. B. einem roten „B“ zu markieren, damit klar ist: Dieser Baum wurde nicht übersehen oder beim Aufräumen eines Käferlochs vergessen, diese Bäume wurden zwar zu spät erkannt oder konnten nicht schnell genug aufgearbeitet werden, können nun aber im Waldbestand verbleiben und nützen als Totholz auch der künftigen Walderneuerung.

Appell an Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer

Der Appell der Förster lautet aber: In den nächsten 8 bis 12 Wochen so viel Käfererstbefall wie möglich finden, aufarbeiten und so weit wie möglich raus aus dem Wald oder mit einem zugelassenen Insektizid behandeln. Da das Holz kaum mehr rechtzeitig in die Sägewerke abgefahren werden kann, kommt der Zwischenlagerung auf Wiesen oder sonstigen Flächen, die weit von den nächsten Fichtenwäldern liegen, viel Bedeutung zu. Der Bereich Forsten ruft hier alle Grundstückseigentümer auf, sich geeignete Flächen zur waldschutzwirksamen Lagerung gegenseitig zur Verfügung zu stellen.
„Alte Käferholzfichten sollten die Ausnahme bleiben, um die Totholzvorräte in unseren Wäldern anzuheben“, wünscht sich Schaffner. Diese Strategie verfolgt auch Jürgen Völkl und der Forstbetrieb Bodenmais der Bayerischen Staatsforsten in den staatlichen Wäldern. Alte Käferfichten, deren Aufarbeitung aber keinen Sinn mehr macht, werden nun konsequent und sichtbar mit einem „B“ wie Biotop markiert, um zu zeigen, hier ist nichts mehr veranlasst. „Wir wollen, dass Käfertotholz die Ausnahme bleibt und daher freuen wir uns auch über jeden Hinweis unserer Waldnachbarn auf Frischbefall. Mit den roten Markierungen sind wir aber auch transparent für unsere Waldnachbarn“, so Völkl, „selbstverständlich kontrollieren wir im Frühjahr unsere Waldbestände rund um die Käferlöcher, Schadflächen und Käferbäume aus der letzten Saison schnell, intensiv und genau nach Frischbefall!“
Weitere Informationen
Bei Fragen finden Sie hier die für Sie zuständigen Förster:

Örtliche Zuständigkeiten der Forstreviere