Infotag Wald begeistert Anbieter von Bauernhofurlaub
Den eigenen Wald erfahrbar machen

Übung im Wald

Den eigenen Wald für die Gäste auf dem Bauernhof einzusetzen, war der Inhalt einer Fortbildung des AELF Regen. Im Oktober 2019 fand dazu der niederbayerische Info-Tag "Der Wald: Kraft- und Gesundheitsquelle, Ort für Besinnen und Erleben – in Wert gesetzt für unsere Gäste" mit aktuellen Infos, Tipps und praktischen Übungen am Kapellenhof in Ringelai statt.

Zur gesundheitlichen Wirkung des Waldes wird viel geforscht. Er soll blutdrucksenkend, antidepressiv und krebsvorbeugend wirken, es gibt Waldbademeister, Natur-Therapeuten, Therapie mit Waldarbeit und ausgewiesene "Heilwälder" – oft üppig ausgestattet wie früher die Trimm-dich-Pfade. Auch im Bäderdreieck sollen solche Heilwälder entstehen und Waldführungen als Kurheilverfahren anerkannt und über die Kasse abgerechnet werden können. Viel Geld ließe sich also mit Wald und Gesundheit in Zukunft verdienen.
Wald tut gut
"Warum sollen unsere Urlaubsbetriebe ihren Wald als Wohlfühl- und Erholungsraum nicht auch stärker nutzen und bewerben?", appelliert Brigitte Blaim, Ansprechpartnerin für Urlaub auf dem Bauernhof in Niederbayern, die Teilnehmer zu Beginn. Sie und Dr. Stefan Schaffner vom AELF Regen hatten den Info-Tag organisiert. Hoch interessant waren die Ausführungen von Dr. Anika Gaggermeier von der TU-München, die über diese Forschungsergebnisse und künftige Entwicklungen anschaulich berichtete. "Wald tut uns gut, der Wald wirkt", war ihr Fazit.
Interessenskonflikte regeln
Der Wald hat 24 Stunden Öffnungszeit, und das 365 Tage im Jahr, wir alle haben Betretungsrecht und dürfen radeln, langlaufen etc. auf geeigneten Wegen – die aber leider nicht genau definiert sind. Dort wo Gäste, Kinder mit dem Gastgeber im Wald erlebnispädagogisch unterwegs sind, sollten natürlich vorher alte morsche Äste entfernt werden. Zum Problem wird die Freizeitbetätigung aller Art im Wald jedoch, wenn sie abends stattfindet und viele Hundebesitzer in der Dämmerung unterwegs sind, wo auch die Jagd ansteht. Dieses Problem unterstrich auch Kreisobmann Siegfried Jäger vehement.
Waldbotschafter werden
Viele Erholungssuchende und Gäste regten sich auf über den Wegebau, die Waldnutzung und die zerstörten Flächen, wo beschädigte Bäume mit Harvestern aus dem Wald gebracht werden müssen. "Da sind Sie als Waldbotschafter gefragt – genau wie beim Dialog Landwirtschaft und Gesellschaft; Sie können und sollen vor Ort erklären, warum diese Maßnahmen heute für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung notwendig sind und welche Probleme Waldbesitzer heute haben", meinte Schaffner. Auch dafür, Holz als Werkstoff oder heimisches Wildbret zu wählen, sollten sie werben. Jäger unterstrich auch, wie wichtig die Kulturlandschaft mit Wald in unserer Region für den funktionierenden Tourismus ist.
Bäume sterben, der Wald nicht
Den durch Stürme, Käfer und Trockenheit arg gebeutelten Wald beklagten etliche Anbieter und Waldbesitzer; aber Referent Dirk Schmechel von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) will vom Begriff "Waldsterben" nichts hören: "Nur Bäume sterben, nicht aber unser Wald; der Wald verändert sich nur, es kommt so viel Neues nach und der Wald gewinnt an Vielfalt und Schönheit." Diese Sichtweise sollten wir annehmen und auch unseren Gästen vermitteln, fordert Schmechel. Im Internetangebot der LWF gäbe es die Arbeitshilfe "Doktor Wald" zu bestellen, aber auch eine Kugelbahn aus Naturmaterialien zu bauen, sei einfach und toll für Gäste.
Wald-Geschichte
Geschichten vermitteln sollten die Anbieter ihren Gästen auch zu so manchen Kräutern oder Gewächsen im Wald oder am Waldrand. So hängt das Märchen Frau Holle eng mit dem Hollerbusch zusammen – er ist Sinnbild sowohl für Leben als auch für Tod. Aus Weißdorn war Dornröschens Spindel, ein Kräutersäckchen mit Schafgarbe sorgt für gute Träume, Brennnesselstängel dienten als Leinenersatz, Brennnesselsamen haben eine ganz besondere Wirkung auf Männer – und hellgrüne frische Buchenblätter schmecken herrlich, weiß Kräuterpädagogin Monika Eder.
Kreatives Spielen in der Natur
Mit Jugendgruppen baut Erlebnispädagogin Elisabeth Resch aus Abensberg im Wald aus Ästen Pfeil und Bogen; die mitgebrachte genaue Anleitung soll auch unsere Anbieter dazu befähigen. Überhaupt ist das Werkeln, Basteln von Weideringen und auf Äste werfen, Mandala legen und Baumgesichter kleben (mit Weizenmehl und Wasser als Kleber) aus natürlichen Fundstücken im Wald ein tolles Erlebnis für kleine und große Gäste; großartige Spielgeräte oder konstruierte Spielmaterialien sind dazu gar nicht nötig.
Holz als Werkstoff einsetzen
Hervorragend gestätkt mit Wildgerichten am Mittag bekamen die Teilnehmer danach eine Führung durch die Gasträume und Gästezimmer des Kapellenhofs. Hier wurde sehr innovativ mit Holz eingerichtet und gearbeitet. Schreiner und Holzkünstler Johann Vernim und Kapellenhofeigentümerin Hannelore Hopfer überraschten die Urlaubsanbieter mit vielen Details, die zum Nachahmen in jeweils zum Betrieb passender Weise anregen sollen. Eben "den Wald in all seinen Möglichkeiten und Facetten ins betriebseigene Angebot einzubinden", legten die Beraterinnen Beate Peter vom AELF Abensberg und Brigitte Blaim noch einmal allen begeisterten Teilnehmern ans Herz.