Forstbetrieb des Jahres 2015

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen (AELF Regen) stiftet 2015 erstmalig die Auszeichnung „Forstbetrieb des Jahres“ für den Privatwald, um die Leistungen von forstlich aktiven und erfolgreichen Waldbesitzern für die Forstwirtschaft, den Wald, die Natur und die Gesellschaft zu honorieren und um deren Wirtschaftsweise und deren Umgang mit ihrem Wald als beispielgebend bekannt zu machen.

Denn: Mit rund 65 % Anteil oder fast 63.000 ha dominiert der Wald das Landschaftsbild im Landkreis Regen. Regen ist damit einer der waldreichsten Landkreise Deutschlands. Die Waldwirtschaft bildet hier eine wesentliche natürliche und wiedernachwachsende Ressource für Wertschöpfung und damit Ertrag und Einkommen. Ein verantwortlicher Umgang und eine nachhaltige, die Schönheit und Leistungskraft bewahrende aber auch in die Zukunft ausgerichtete Waldbewirtschaftung ist daher von besonderer Bedeutung für den Landkreis.
Der Privatwald stellt dabei die flächenstärkste Besitzart. Rund 42.000 ha oder zwei Drittel sind in den Händen und in der Verantwortung von rund 17.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern. Die Besitzgrößenverhältnisse sind breit gestreut, darunter große Privatforstbetriebe mit eigenem Personal bis hin zu Eigentümern von wenigen Tagwerken Wald.

Für ihre Leistungen in der Waldbewirtschaftung wurden gewürdigt:

Mann mit Kind auf dem Arm an Baum gelehnt im Wald, neben ihm ein zweites KindZoombild vorhanden

Familie Achatz, Exenbach

Stefan Achatz, Exenbach bei Arnbruck mit dem ersten Preis und dem Preispaten Staatsminister Helmut Brunner.
Stefan Achatz bewirtschaftet seinen Wald ebenfalls naturnah aber wirtschaftlich und mit viel persönlicher Freude, worauf er viel Wert legt. Der eine Blickwinkel auf den eigenen Wald ist: Wald ist ein Betriebszweig, der Ertrag bringen muss, um Familie und Hof zu erhalten. Der andere Blickwinkel sagt: „Im Wald geh ich auf, ich kriege den Kopf frei, ich kenn mich aus, ich bin angerichtet zur Waldarbeit, habe ein Gefühl dazu, mir geht was von der Hand“. Bei der Waldarbeit geht es Herrn Achatz um gute Qualität. Jede Nutzung muss mit einem positiven Nutzen für die weitere Waldentwicklung verbunden sein – „das hat man ständig im Hinterkopf“.
Effektiv im Wald zu sein heißt für ihn, das, was die Natur vorgibt, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten weiter zu entwickeln. Erfolgreiche Waldbewirtschaftung bedeutet für ihn „mit der Natur wirtschaften, nicht gegen sie“. Sein Credo für die Waldwirtschaft: Natur und Wirtschaft bedingen sich. Sie ergeben sich auf- und auseinander. Für Herrn Achatz ist das auch der Grundsatz für den Umgang mit dem Naturschutz. Ein Miteinander. Einander zuhören und ausloten vor Ort im Wald. Die Prinzipien der Vorrats- und Wertpflege zeigen sich eindrucksvoll in den Waldbilder – ebenso eine Vielfalt, was Baumarten und standortstypische Waldgesellschaften angeht.

Damit die Waldentwicklung so laufen kann, wie es sich Herr Achatz vorstellt, braucht es aus seiner Sicht starke Partner: In der Jagd, denn der Wald muss ohne Schutz wachsen können. In den Waldbesitzervereinigungen sieht er faire und kompetente Ansprechpartner in Sachen Markt. In den Revierförstern der Forstverwaltung wichtige Impulsgeber für die eigene waldbauliche Entwicklung und Ratgeber, mit denen er die weitere Entwicklung in den eigenen Beständen diskutieren kann.


AichingerZoombild vorhanden

Familie Aichinger, Wolfertsried

Josef Aichinger, Wolfertsried bei Achslach mit dem zweiten Preis mit dem Preispaten Schirmherr Landrat Michael Adam.
Der Forstbetrieb bildet eine Eigenjagd und hat als Erwerbsquelle seinen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Aichinger fühlt sich als ein Verwalter auf Zeit. Er möchte in der Zeitspanne, in der er aktiv die Verantwortung trägt, sein bestmögliches leisten. Dieses Generationendenken verpflichtet zur Bewahrung und zur Entwicklung der Waldsubstanz. Der Wald ist eine Einnahmequelle und er soll es in der nächsten Generation genauso so sein können. Aichinger hat sich in der Waldarbeit professionalisiert und den mehrwöchigen Kurs der Waldbauernschule absolviert. Er ist auch als Forstunternehmer im Einsatz und hat sich den Ruf erworben, so pfleglich zu arbeiten, als arbeite er in seinem eigenen Wald.
Aichinger führt seinen Wald als Naturverjüngungsbetrieb, der flächig mit dem Grundsatz der Vorrats- und Wertpflege bewirtschaftet wird. Sein Credo: Man muss bei der Waldarbeit wissen, was technisch möglich ist, aber man muss vor allem wissen, was technisch machbar ist. Waldarbeit ist für ihn vor allem Wertpflege. Bei jedem Handgriff, bei jeder Holzentnahme hat er die zukünftige Waldentwicklung im Auge. Das Gespür hierzu kann man sich aneignen. Schonende Waldarbeit und langfristiges beständiges Wirtschaften auf der ganzen Fläche mit dem Grundsatz „weniger, dafür beständig, dann hat man in der Summe deutlich mehr“ ist für ihn auch der Garant, dass aktive Waldwirtschaft und Naturschutz in der Fläche zusammengehen. Totholz fällt an und es tut nicht weh, wenn mal was stehen oder liegen bleibt.
StadlerZoombild vorhanden

Heinrich Stadler, Mehlbach

Heinrich Stadler, Mehlbach bei Kollnburg, mit dem dritten Preis mit dem Preispaten Kreisobmann Roland Graf.
Stadler ist seit seiner Kindheit in den eigenen Wald und die Waldarbeit hineingewachsen und der Wald wurde zu seiner Leidenschaft. Seine waldbauliche Devise lässt sich mit „mäßig, aber regelmäßig" umschreiben. Beständig auf der ganzen Fläche arbeiten und dann beobachten, wie sich die Bestände entwickelt. Eine Sparkassenmentalität für den Wald, also das Aufsparen von hohen Vorräten, lehnt er ebenso wie seine Mitpreisträger ab. Stadler setzt konsequent auf Naturverjüngung und pflegt die sich entwickelnden Bestände mit Augenmerk auf Qualität und Mischung. Dabei liegt ihm die Tanne besonders am Herzen. In seinem Wald hat aber auch die Buche und neben Bergahorn auch der Spitzahorn seinen Platz.
Seine Lehre aus den zunehmenden Witterungsextremen ist, dass es eine Vielfalt an Baumarten braucht. Damit alles funktioniert, so sein Credo, braucht es einerseits einen aktiven Waldbau, also Durchforstungen und in den stärkeren Beständen beständige Holzentnahme auf der Fläche, damit die Verjüngung gemischt und gestuft kommt. Und es braucht Jäger, die den Wald sehen und sich für die Entwicklung der Verjüngung aktiv interessieren. Die Lösung liegt für Stadler im Miteinander von waldbaulicher und jagdlicher Entwicklung und zwar vor Ort zusammen an einem Strick ziehen. Dabei braucht es Jäger, die den Wald auch mit den Augen des Waldbauers sehen. Extrempositionen sind nicht seine Sache, aber Stadler setzt sich konsequent ein, damit ein echtes Miteinander rauskommt.

Aus Sicht der Jury verfolgen die drei Preisträger ein vergleichbares Erfolgsrezept.
Dazu gehört die beständige, aber kleinflächige bzw. einzelstammweise ausgerichtete Holznutzung in den älteren Beständen und eine Pflege in jüngeren Beständen, die konsequent auf die Qualität und Stabilität der vitalsten und besten Baumindividuen ausgerichtet ist. Für alle drei ist die Mischung mehrerer Baumarten, bei uns der Bergmischwalddreiklang aus Fichte-Tanne-Buche, für die Zukunft der Waldbestände extrem wichtig. Nichts oder ganz wenig pflanzen zu müssen, ist ein Garant für Wirtschaftlichkeit. Damit auf der Fläche mit mäßigen aber in kurzen Abständen beständig wiederkehrenden Eingriffen gewirtschaftet werden kann, ist für die Preisträger erstens eine erreichbare Anbindung der Waldkomplexe an Forststraßen notwendig und eine an das Gelände und die Flurverhältnisse angepasste Feinerschließung mit maschinenbefahrbaren Wegen Voraussetzung. Erst dann kann pfleglich Holz geerntet werden und Werterhalt betrieben werden.