Bis Ende September
Maikäfer-Monitoring für das Grünland läuft

"Es gibt keine Maikäfer mehr", besingt Reinhard Mey den Verlust des Maikäfers im Jahr 1974. Rund 40 Jahre später tritt das Insekt wieder ganz massiv auf. Die ausgewachsenen Käfer fressen Laubbäume kahl und die Larven die Wurzeln des Grünlands. Nach dem heurigen Hauptflugjahr steht ein Hauptschadensjahr 2022 bevor. Man muss mit Totalausfall von Grünlandflächen und damit entsprechendem Futterausfall rechnen.

"Vom letzten Schadensjahr 2019 gebeutelt, schauen viele Betriebe mit Sorge um ihre Existenz auf das Jahr 2022", so Siegfried Jäger, Kreisobmann des BBV in Freyung-Grafenau und Gerhard Stadler, BBV-Bezirkspräsident von Niederbayern.

"Ab einer Überschreitung der Schadschwelle von rund 40 Engerlingen je Quadratmeter können Kosten für Futterausfall und Neuansaat von bis zu 1000 €/ha befallenen Grünland entstehen. Ist ein Betrieb mit z.B. 30 ha Grünland betroffen, so kann man die Existenzängste unserer Bauern nachvollziehen", erklärt Brigitte Blaim, Bereichsleiterin Landwirtschaft des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen.

Doch nicht nur die Landwirtschaft ist von der Problematik betroffen, es werden durch die Engerlinge auch extensiv genutzte Wiesen bedroht, die einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.
Konzept erarbeitet

Aus diesen Gründen wurde nach einer Video-Konferenz mit dem Bezirkspräsidenten des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Niederbayern Gerhard Stadler mit BBV-Kreisobmännern und Vertretern von Naturschutz-Verbänden, den betroffenen Landwirtschaftsämtern sowie der Landesanstalt für Landwirtschaft und der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ein Konzept zur Durchführung des Monitorings erarbeitet.

Das Monitoring

Das Staatsministerium finanziert die Durchführung des Monitorings. Mit einer gemeinsamen Schulung der Grabungskräfte in Neureichenau (Landkreis Freyung-Grafenau) begann unter Anleitung von Dr. Ullrich Benker von der Landesanstalt für Landwirtschaft das Monitoring im Bayerischen Wald. Jedes der beiden Grabungsteam – eines ist im Schwerpunktgebiet Freyung-Grafenau und eines im nördlichen Landkreis Passau unterwegs - hebt hierfür je Hektar an 10 Stellen mit dem Spaten jeweils 0,1 m² Grasnarbe aus und zählt die Engerlinge.

Diese befinden sich oberflächennah im Wurzelbereich. Die so ermittelte Anzahl der Engerlinge je Quadratmeter, weist auf ein hohes Schadensausmaß im kommenden Jahr 2022 hin.

Ziel

Ziel des Monitorings ist es, einen Überblick über die Befalls-Situation in den Gemeinden zu erreichen. Anhand dieser Erhebungen können die in der jeweiligen Region zu erwartende Ertragsausfälle abgeschätzt und - falls notwendig - sinnvolle Maßnahmen zur Reduzierung der Schäden vorbereitet werden. "Nach anfänglicher Skepsis bei einigen Betrieben ist es auf jeden Fall eine gute Sache zu wissen, ob ein Befall 2022 bevorsteht oder nicht. Das hilft, weitere Schritte zu planen, wie z.B. die Durchführung von Erneuerungen und den Aufbau von Futterreserven", stellt Christoph Probst, Pflanzenbauberater am AELF Regen, fest.

Aktueller Stand

Das Monitoring läuft nun seit knapp 6 Wochen und viele Gemeinden wurden bereits beprobt. In den Gemeinden Neureichenau und Jandelsbrunn, die Hauptbefallsgebiete im Jahr 2019 waren, konnten im Durchschnitt rund 200 - 220 Engerlinge/m² gezählt werden. Der Höchstwert waren 540 Engerlinge pro qm.

"Rund zwei Drittel des Landkreises Freyung-Grafenau sind betroffen und liegen massiv über der Schadschwelle", so Kreisobmann Siegfried Jäger. Die Grabungen zeigen, dass man sich auch nach einer erfolgreichen Erneuerung im Jahr 2019 nicht in Sicherheit wiegen kann und darf. Es werden, wie schon 2019, vor allem an Südhängen höhere Schäden erwartet. Die hohen Zahlen zeigen, dass der Maikäfer etabliert ist.
So geht es weiter
Das Grabungsteam Freyung-Grafenau, dem auch zwei iranische Studenten der FH Deggendorf angehören, arbeiten sich nun weiter Richtung Westen vor, da Praktiker von einem ausgeprägtem Nord-Westflug berichten. Im Gebiet Eppenschlag auf der Fläche von Kreisbäuerin Elke Binder wurden an einem Tag bis zu 170 Engerlinge pro qm gefunden. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass bisher vom Engerling verschonte Betriebe und Flächen betroffen sind – vor allem im Landkreis Regen – sollten sich interessierte Betriebe rasch bei Berater Christoph Probst melden.

Ansprechpartner

Christoph Probst
AELF Regen
Bodenmaiser Straße 25
94209 Regen
Telefon: 09921 608-1014
Fax: +49 9921 608-1008
E-Mail: poststelle@aelf-rg.bayern.de

Zusammenarbeit ausschlaggebend
Für den Erfolg des Monitorings - und eine zukünftige Abhilfe in irgendeiner Form - ist eine gute Zusammenarbeit zwischen betroffenen Betrieben, Behörden und Berufsvertretern - wie bereits bisher praktiziert - ausschlaggebend.

Engerling Suche

Engerling-Zählung