Waldjugendspiele Frath 2026
Eintauchen in das Erlebnis Wald

Ein Kind hält eine verwitterte Baumscheib in Herzform in den Händen.

Fundstück des Tages - ein Herz für die Waldjugendspiele!

Spielerisch lernen, ohne die Schulbank drücken zu müssen- das konnten rund 650 Drittklässler erleben, die Anfang Juli bei den Waldjugendspielen im Landkreis Regen mit dabei sein durften. In Begleitung eines Forstpaten oder Forstpatin konnten sie jede Menge Waldwissen aufsaugen und bei vielen Wissens- und Geschicklichkeitsspielen zeigen, was in ihnen steckt.

Auch die Klasse 3b der Grundschule Regen hat sich mit „ihrer“ Forstpatin Franziska Kraus, Referendarin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen auf den Weg gemacht und genießt nach der langen Hitzewelle nun die kühle Luft im Wald. „Wie waren die letzten Tage in der Schule? Heiß und anstrengend?“, fragt sie die Klasse. Alle nicken zustimmend.

„Genauso anstrengend ist die Hitze auch für die Bäume, wenn es länger nicht regnet. Sie bekommen Trockenstress“, erklärt sie. Die Fichte mit ihrem flach ausgebildetem Wurzelsystem sei davon besonders betroffen, Bäume wie zum Beispiel die Tanne mit weit in den Boden reichenden Pfahlwurzeln dagegen können die Trockenheit besser abfedern. Daher seien viele verschiedene Baumarten gut für den Wald, es mache ihn robust und fit gegen die Auswirkungen des Klimawandels.

Bäume erkennen - ein Kinderspiel

Forstpatin Franziska Kraus zeigt der Klasse einen Baumstamm zur Bestimmung.

Welcher Baum ist das?

Was Fichte, Tanne oder Birke ist, erkennen die Drittklässler bei der ersten Wissensstation auf Anhieb. „Fichte sticht, Tanne nicht“, haben sie schon verinnerlicht. Und auch dass die sogenannten Tannenzapfen eigentlich Fichtenzapfen sind, weiß jedes Kind. Mit etwas Hilfe gelingt es den Drittklässlern recht schnell, die restlichen Baumstämme wie Kiefer, Eiche, Zitterpappel oder Vogelkirsche zu bestimmen. Das wird ihnen später bei der Wissens- und Ratestaffel zugutekommen. Klassenlehrerin Elisabeth Weileder- Dull freut sich, dass die Klasse noch so viel weiß, schließlich haben sie das Thema Wald schon im September und Oktober letzten Jahres im Unterricht behandelt.

Zusammenhänge im Wald - kindgerecht aufbereitet

Auf dem Weg durch das Gelände passiert die Gruppe einen Jägersitz. Auch hier erklärt die Forstpatin die Zusammenhänge. „Früher haben die Wölfe, Luchse und Bären die alten und kranken Rehe gefressen. Heute erlegen vorwiegend die Jäger die Wildtiere.“ Sie zeigt auf ein kleines verkümmertes Tannenpflänzchen. „Die Rehe fressen gern die Knospen von jungen Tannen. Dann kann der Baum nicht mehr richtig wachsen. Der Jäger sorgt also mit dem Abschuss auch dafür, dass sich die jungen Bäume gut entwickeln können.“

Spiele bringen Abwechslung

Kinder angeln mit Holzruten verschieden Blattarten auf ein Baumgestell.

Kinder angeln mit Holzruten Blätter auf ein Baumgestell.

Gegen neun Uhr ist es Zeit für eine kleine Rast. Die Kinder packen ihre Pausenbrote aus und lassen sich Brezen, Gurken, Wassermelonen und Kirschen auf dem Waldboden schmecken. Bilal teilt seine Chips mit den Klassekameraden. So gestärkt geht es weiter zu den ersten Spielen. Beim Turmbau müssen Dreier- Teams Baumscheiben einer Baumart schichten. Die verbliebenen Klassenkameraden feuern die Aktiven mit dem Ruf „Auf geht’s, Leid“ lautstark an. Anschließend darf die andere Hälfte der Mannschaft das Blätterangeln übernehmen.

Rund 50 Försterinnen, Förster und Externe im Einsatz

Die Vorbereitungen für die Waldjugendspiele stellen für die Försterinnen und Förster des AELF Regen eine logistische Herausforderung dar. Fünf Spiel- und zwei Wissensstationen sowie vier Bildersuchtafeln- jeweils in doppelter Ausführung- müssen im Vorfeld aufgebaut werden. Insgesamt sind an den drei Tagen rund 50 Personen als Forstpate oder Spielleiter auf der Frath im Einsatz. „Obwohl alle Mitarbeiter unseres Bereichs vor Ort sind, würde es ohne zusätzliche Kräfte nicht funktionieren“, sagt Christoph Salzmann, Bereichsleiter Forsten am AELF Regen. Sein Dank gebühre daher insbesondere den Mithelfenden vom AELF Cham, der Unteren Naturschutzbehörde vom Landratsamt Regen, den Bayerischen Staatsforsten vom Forstbetrieb Bodenmais, der Waldbesitzervereinigung Bad Kötzting- Hohenbogen, dem Naturpark Bayerischer Wald und den Pensionisten vom AELF.

Fragerunde zu jeder Tiersuchtafel

Ein Bild mit einem Feuersalamander ist an einem Baum befestigt

Vier Tier- Suchtafeln sind im Wald versteckt.

Inzwischen findet Lucie auf dem rund drei Kilometer langen Parcours endlich die erste lang ersehnte Tiersuchtafel „Feuersalamander“. Dazu gibt es verschiedene Fragen, die die Klasse zusammen beantworten kann. Das motiviert für das anschließende Zapfenspiel, bei dem alle mit Feuereifer bei der Sache sind. Am Wegesrand entdecken die Kinder ganz nebenbei Farne, Heidelbeeren oder Schwammerl, sogar ein farblich gut getarnter Frosch hüpft ihnen über den Weg. Die Forstpatin geht auf alle spontanen Kinderfragen ein. Die Kombination aus den direkten Antworten am Anschauungsobjekt und den Spielen, die den Teamgeist der Klasse stärken, macht den Drittklässlern sichtlich Spaß.

Große und kleine Tiere im Wald

Eine Gruppe von Kindern betrachtet Borkenkäfer und Rinde an einem Tisch.

Klein, aber oho! Borkenkäfer in natura in Rinde und Becherlupen.

Da sich die Kinder insbesondere für Waldtiere interessieren, gibt die Referendarin noch einen kleinen Exkurs in die Welt von Reh und Hirsch. „Gibt es auch ein Bambi hier im Wald?“ überlegt ein Kind. „Im Film ist Bambi ein Weißwedelhirsch, der natürlicherweise nur in Amerika vorkommt“, stellt Franziska Kraus klar. Von den großen Tieren geht es weiter zur Wissensstation „Borkenkäfer“. „Bei uns gibt es zwei wesentliche Arten, den Kupferstecher und den Buchdrucker. Der Buchdrucker heißt so, da die Fraßgänge seiner Larven unter der Baumrinde an die Zeilen eines Buches erinnern“, kann sie den Kindern anhand der bereitgestellten Rindenstücke vermitteln. Auf Bildern zeigt sie ihnen, dass das kleine Insekt geschwächte Bäume befällt und die Nährstoffversorgung des Baumes unterbricht, bis er schließlich abstirbt. Nachdem die Kinder die restlichen Stationen absolviert haben, dürfen sie noch kurz auf dem Spielplatz toben, bevor es mit dem Bus nach Hause geht. Referendarin Franziska Kraus hofft, dass die Kinder das Gelernte noch lange in Erinnerung behalten.
Referndarin und Forstpatin Franziska Kraus steht mit Unterlagen im Wald.

"Mir ist am wichtigsten, dass die Kinder einen schönen Tag im Wald haben."
Franziska Kraus, Referendarin am AELF Regen